Ein Jahr nach dem S&B Gesamtsieg 2025: Das wurde aus Rockfish Bio

Ingo Lämmermann im Gespräch mit dem Rudolf Sallinger Fonds

Das Team von Rockfish Bio rund um Ingo Lämmermann (2. v.r.) und Johannes Grillari (2. v.l.)
(© Rockfish Bio AG)

 

Die Rockfish Bio AG hat sich der Entwicklung senolytischer Wirkstoffe für die Entfernung gealterter Zellen verschrieben, um einen gesunden Alterungsprozesses zu fördern und altersbedingte Krankheiten zu bekämpfen. Dabei nutzen neuartige Wirkstoffe einen krankhaft veränderten Fettsäurestoffwechsel bei gealterten Zellen, um diese gezielt aus dem Körper zu entfernen. Erste präklinische Studien zeigen eine massive Verlängerung der Lebens- und Gesundheitsspanne, sowie eine Wiederherstellung der neuromuskulären Funktionen. In einem Modell für chronisches Nierenversagen konnten mit dem Lead Compound RFB01016 ausgezeichnete Ergebnisse erzielt werden, die bisherige Therapien in den Schatten stellen und eine klinische Weiterentwicklung ermöglichen.

 

Rudolf Sallinger Fonds: Im vergangenen Jahr seid ihr zum Gesamtsieger des S&B Award gekürt worden. Was ist seither passiert?

Ingo Lämmermann: In den vergangenen Monaten haben wir unseren Lead-Compound physikochemisch charakterisiert, sodass er jetzt bereit ist für IND-Enabling Studies (also den letzten Schritt vor klinischen Studien am Menschen). Dass wir hier auf keine Schwierigkeiten gestoßen sind und damit in die Zulassungsstudien gehen können, ist definitiv ein großes Highlight.

Ein ganz wichtiger Teil war auch die Entwicklung eines präklinischen Tiermodells bei chronischem Nierenversagen. Dort sehen wir, dass unser Compound fantastische Ergebnisse erzielt, was uns bei der Suche nach Investoren enorm hilft und das Entwicklungsrisiko erheblich verringert. Aufgrund unseres sehr innovativen Ansatzes ist das Risiko für Investoren und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ohne derartige Ergebnisse sonst nur schwer einschätzbar.

Im Screening-Prozess proprietärer Compound-Libraries haben wir außerdem weitere Hit-Substanzen identifizieren können. Sie dienen einerseits als Fallback-Substanzen, falls im Entwicklungsprozess unseres Lead-Compound doch noch unvorhergesehene Probleme auftreten, und können später auch dabei helfen, unsere Forschungsergebnisse auf andere Krankheitsfelder wie metabolische Dysfunktion auszuweiten.

Neben dem Gewinn des S&B Awards haben wir auch den BOKU Startup Award 2025 erhalten. Beide Auszeichnungen helfen uns enorm, die Aufmerksamkeit institutioneller Investoren auf uns zu lenken, die wir für die kommenden Schritte brauchen.

 

Wobei hat euch das Preisgeld des S&B Awards am meisten geholfen?

Wir hatten zum damaligen Zeitpunkt bereits gute Ergebnisse bei unserem Tiermodell, aber quantitativ zu wenig aussagekräftige Daten. Das Preisgeld des S&B Awards hat uns enorm dabei geholfen, einen weiteren Versuchsdurchgang zu finanzieren, der letztendlich aussagekräftige Ergebnisse ermöglicht hat.

 

Wie läuft eure klinische Phase IIa-Studie (Abschluss in 4-5 Jahren realistisch)?

Ein Abschluss der klinischen Phase IIa-Studie in 4-5 Jahren ist für uns aus wissenschaftlicher Sicht realistisch – sofern die nötige Finanzierung vorhanden ist.

Wir möchten unsere Idee bis zum Ende der Phase II bringen, dort haben wir die Wirksamkeit und Sicherheit im und für den Menschen bestätigt. Danach ist eine Auslizensierung an Pharmafirmen geplant. Die danach folgenden Phase III-Studien und Marktzulassung sind enorm arbeits- und personalaufwendig und sehr kostenintensiv, da können und wollen wir auch nicht mit bestehenden Pharmafirmen konkurrieren.

Mit den ersten Erträgen der Auslizensierung möchten wir unsere Compounds für andere Indikationen weiterentwickeln. In welchem Bereich genau, lässt sich noch nicht sagen, Krankheitsbilder wie das metabolische Syndrom oder die Raucherkrankheit sind aus heutiger Sicht aber sehr vielversprechend.

 

Wie hat sich euer Team entwickelt?

Seit dem S&B Award haben wir das Team nicht verändert. Wir haben unser Team bereits 2024 von 2 auf 9 Mitarbeiter mit Hilfe eines FFG Austrian Life Science Förderprogrammes erweitert – dieser Schritt war damals wichtig, um die Entwicklung des Lead-Compounds voranzutreiben. Aktuell benötigen wir nicht mehr Personal und haben viel Entwicklungsarbeit outgesourct, weil uns schlicht die Expertise fehlt und Laboratorien sonst aus dem Nichts aufgebaut werden müssten – das wäre nicht Kosten- und Zeiteffizient und mit hohen Risiken verbunden. In der letzten Phase haben wir beispielsweise viel mit Eurofins Discovery zusammengearbeitet, die uns in der Entwicklungsphase sehr gut unterstützt haben.

 

Wohin soll die Reise 2026 noch gehen?

In diesem Jahr möchten wir unsere erweiterten Hit-Substanzen patentieren und die Lead Optimization vorantreiben. Allgemein wollen wir mehr Compounds generieren, um das Patent so breit wie möglich einreichen zu können. Dies wird uns auch einen größeren Schutz vor der Konkurrenz bieten, das Entwicklungsrisiko weiter senken und den Wert der Firma weiter steigern.

Wir sind außerdem gerade dabei, einen neuen Vorstand zu etablieren. Unser bisheriger Vorstand Otto hat uns sehr gut begleitet, für den Einstieg in die klinische Phase benötigen wir aber jemanden, der in diesem Feld noch mehr Erfahrung mitbringt und zu 100% für Rockfish Bio zur Verfügung stehen kann. Diese neue Person ins Team zu integrieren wird also auch ein Meilenstein für die nächsten Schritte, zu der hoffentlich auch der Abschluss einer großen Finanzierungsrunde zählt. Einige VCs haben bereits Interesse bekundet und befinden sich derzeit mit uns in den Verhandlungen, wir sind also optimistisch, dass das klappt.

 

Welche Tipps habt ihr für (angehende) Startups im Biotech-Bereich?

Aus unserem – akademischen – Umfeld kommend waren wir der Meinung, dass die größten Risiken auf der wissenschaftlichen Seite liegen. Das ist nicht unbedingt falsch, ein mindestens genauso großes Risiko war aber (und das ist auch der aktuellen Situation am Kapitalmarkt geschuldet) das finanzielle Risiko. Man geht als Akademiker ins Abenteuer, macht eine Marktanalyse, erstellt einen Businessplan und denkt, dass man eine Finanzierung erhält, wenn technisch alles klappt und die Daten gut sind. Aber so einfach ist es nicht, zumindest nicht im Bereich Biotech.

Was ich angehenden Startups daher mitgeben möchte: es ist wirklich harte Arbeit, die Finanzierung für derartige Vorhaben aufzustellen. Im Biotech-Bereich brauchen wir hohe Summen, generieren anfangs aber keine Revenues und haben ein großes Ausfallrisiko. Im heutigen Umfeld ist das einfach nicht mehr so attraktiv. Deshalb rücken oft Startups in den Fokus der Investoren, die einfacher skalieren können, bereits Prototypen haben und den weiteren Entwicklungsweg und den Markteintritt besser abschätzen können.

Es ist deshalb gerade im Biotech-Sektor enorm wichtig, ganz genau bei Investoren nach Feedback zu fragen und es wirklich zu beherzigen, damit man eine Chance hat, gehört zu werden. Im besten Fall hat man jemanden im Team, der bereits mit VCs gearbeitet oder eine größere Summe eingeworben und Erfahrung im Austausch mit Geldgebern hat.

Mein Appell daher an alle, die auf der Suche nach Investoren sind: lasst euch nicht entmutigen, fragt immer ganz genau nach, sucht den persönlichen Kontakt (und das frühzeitig) und klopft immer wieder auch bei Investoren an, von denen ihr Absagen erhalten habt – oft ändern sich Strategien und dann sind Finanzierungen ein Jahr später doch noch möglich.

 

https://www.rockfishbio.com/