NovoArc – brutkasten Sonderpreis S&B Award 2020

Spritzen adé

In der Medizin müssen viele Wirkstoffe über Spritzen verabreicht werden, da sie bei oraler Einnahme im Magen zersetzt und im Darm nur teilweise vom Körper aufgenommen werden. NovoArc hat eine Technologie entwickelt, mit der viele Spritzen durch Tabletten ersetzt werden können. Der Vorteil: die Wirkstoffe müssen nicht mehr gekühlt gelagert werden und können ihre Wirkung viel besser entfalten. Reges Interesse aus Pharmazie und Industrie zeigt, dass diese Technologie mehr als zukunftsträchtig ist.

 

Rudolf Sallinger Fonds: Beim letzten S&B Award hat NovoArc den brutkasten Sonderpreis gewonnen. Was habt ihr mit dem Gewinn – einem Mediavolumen im Wert von 5.000 Euro – gemacht und was hat euch das gebracht?

David Wurm: Vorweg muss ich sagen, dass uns der S&B Award viel Publicity gebracht hat und wir die Chance medial sehr gut genutzt haben. Durch den S&B Award und den Gewinn des brutkasten Sonderpreises sind wir mit potentiellen Investoren und Kunden ins Gespräch gekommen, auch fürs Team war das eine schöne Erfahrung. Wir haben alle live mitgefiebert und unser Netzwerk mobilisiert, was uns am Ende des Tages auch genug Stimmen für den Gewinn des Sonderpreises eingebracht hat. 

Wir hatten ursprünglich geplant, den Sonderpreis für Fundraising einzusetzen und einen Artikel auf der Website des brutkasten zu schalten. Wir sind mit unseren Investoren aber bald schon in tiefere Verhandlungen gekommen und haben ein wichtiges Investment dann relativ schnell abgeschlossen. Den brutkasten Sonderpreis haben wir daher noch gar nicht eingelöst. Mittlerweile gibt es aber ein paar tolle neue Ergebnisse, die wir mit der Welt teilen möchten – vielleicht können wir das Mediavolumen also dafür gut nutzen.

 

Was hat sich seit eurer Teilnahme am S&B Award 2020 getan?

Wir konnten in der Zwischenzeit das FFG Spin-off Fellowship erfolgreich abschließen und unser Produkt für den Markt vorbereiten.

Am Anfang von Corona hatten wir ein paar Probleme – unser Labor war zugesperrt und wir mussten im Home Office arbeiten. Diese Zeit haben wir aber genutzt, um an unserer Strategie weiterzuarbeiten und die Planung voranzutreiben.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir auch schon mit ersten potentiellen Kunden in Kontakt und haben auch aus der wissenschaftlichen Community viel positives Feedback erhalten.
Wir haben uns dann dazu entschlossen die Firma NovoArc GmbH zu gründen und unsere Technologie auf den Markt zu bringen. Gleich nach Firmengründung im Oktober 2021 konnten wir erste zahlende Kunden für uns gewinnen und Ende des Jahres ist auch ein großer Investor eingestiegen. Nach zahlreichen Gesprächen haben wir uns letztendlich für ein Wiener Family-Office entschieden, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut läuft.

 Auch im Team hat sich einiges getan. Zurzeit sind wir sechs Vollzeit-Mitarbeiter, dieses Jahr sollen noch zwei bis drei weitere dazu kommen. Wir merken, dass großes Interesse an unserer Technologie seitens der Industrie besteht – man kann also sagen, wir sind gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

 

Kurz zusammengefasst: Worin liegt der Vorteil der NovoArc Technologie?

Unsere Technologie besteht darin, gewisse Spritzen durch Tabletten zu ersetzen. Dafür verkapseln wir Wirkstoffe in eine spezielle biologische Hülle, sogenannte Liposome aus Lipiden, die die Wirkstoffe im Magen schützt und dafür sorgt, dass diese im Darm gut aufgenommen werden.

Unsere Technologie bietet drei Hauptvorteile:

1. Der Wirkstoff des Medikaments wird im Magen nicht zerstört.

2. Die Aufnahme von Wirkstoffen wird verbessert: Wirkstoffe, die es durch den Magen schaffen, werden oft ausgeschieden, ohne effizient aufgenommen zu werden. Unsere Liposome bleiben an der Darmwand kleben und geben dort ihren Wirkstoff ab, was zu einer verbesserten Aufnahme führt.

3. Die Verkapselung dient als Schutzhülle bei der Lagerung von Wirkstoffen. Dadurch müssen keine aufwändigen Kühlketten eingehalten werden, Wirkstoffe können stattdessen sehr einfach bei Raumtemperatur gelagert werden. Das ist insbesondere in entlegenen oder Krisengebieten von Vorteil.

 

Wie hat sich eure Technologie und die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie seit dem S&B Award 2020 weiterentwickelt?

Wir haben unser Business Model seither ein wenig adaptiert. Zunächst starten wir mit bezahlten Proof-of-concept Studien, bei denen wir Wirkstoffe von Kunden in unsere Hülle verpacken und danach Eigenschaften wie Verpackungseffizienz, Stabilität, Aufnahme und andere testen. Wenn dieser Schritt erfolgreich abgeschlossen ist, optimieren wir den Prozess in Proof-of-process Studien. Anschließend verkaufen wir unsere Lipide an die Kunden für klinische Studien und schließlich für die Produkte am Markt. Langfristig möchten wir uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren: die Produktion von Speziallipiden und deren Vertrieb. Zunächst möchten wir aber einige schöne Use Cases schaffen, um Kunden von unserer Technologie zu überzeugen.

In den vergangenen Monaten haben wir uns aber auch zusätzlich zum pharmazeutischen Bereich auf einen ganz anderen Markt konzentriert: Die grüne Wasserstoffproduktion. Derzeit wird der Großteil des Wasserstoffs am Markt durch Elektrolyse mit Strom aus fossilem Brennstoff produziert. Wir streben einen biologischen und nachhaltigen Ansatz an. Wir möchten Stoffe aus Algen nutzen um – ähnlich wie bei der Photosynthese aus Licht und Wasser – Wasserstoff und Sauerstoff zu produzieren und dabei auch noch Energie zu gewinnen. Die dafür notwendigen Stoffe aus der Alge – das sogenannt Photosystem – braucht aber eine stabilisierende Membran, damit Wasserstoff produziert werden kann und genau hier kommt unsere biologische Hülle aus Lipiden zum Einsatz und soll diese Technologie ermöglichen.

 

Inwieweit hat die Corona-Krise euer Geschäftsfeld und/oder -modell verändert?

Anfangs war Corona auch für uns ein Rückschlag. Wir sind in unserer Arbeit auf unser Labor und auf die Durchführung von Experimenten angewiesen, die Umstellung auf Home Office war daher nicht einfach. Nach den Öffnungsschritten konnten wir den Rückstand aber wieder ganz gut aufholen, weil sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten ergeben haben. 

Wir haben uns zum Beispiel stark auf die Verabreichung von mRNA konzentriert, wo es ein großes Interesse aus der Industrie gibt. Unser Ziel ist es, die Aufnahme bestehender mRNA-Impfungen im Körper zu verbessern. Aktuell schauen wir uns außerdem an, ob diese Impfungen auch auf Schluckimpfungen umgestellt werden können. Diese Technologie ist nicht nur für Corona Impfstoffe wichtig, sondern generell eine große Chance für uns, etwas am Markt der Pharmazeutika zu bewegen.

 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Weiterentwicklung von NovoArc?

Eine Herausforderung ist mit Sicherheit das Wachstum innerhalb der Firma. Angefangen haben wir mit zwei Angestellten, Ende dieses Jahres sollen es sechs bis sieben sein. Das muss alles gut strukturiert und unter einen Hut gebracht werden. Ich sehe das aber als spannende Aufgabe, die essenziell für den Erfolg der Firma ist und wofür wir drei Gründer uns viel Zeit nehmen.

Auch die Weiterentwicklung unserer Technologie ist eine Herausforderung. Wir arbeiten in einem extrem regulierten Feld, wo sehr genaue Qualitätsrichtlinien und Vorschriften erfüllt werden müssen. Erfolgreich in den Markt zu kommen, ist da gar nicht so leicht. Bis dato ist es uns aber gut gelungen, Interesse und Kunden zu generieren. Unsere Kunden sind sehr aufgeschlossen Neues auszuprobieren – das ist vor allem in Zeiten wie diesen, wo es neuer Technologien bedarf und Platz für Innovation ist, ein riesen Vorteil.

 

Welche Pläne habt ihr mit NovoArc für 2022/2023? Welche unternehmerischen Ziele habt ihr euch gesetzt?

Kurzfristig möchten wir weitere Kunden akquirieren, also noch mehr Machbarkeitsstudien mit Kunden durchführen, bei denen unsere Technologie auf deren Wirkstoff angewendet wird. Gleichzeitig möchten wir unsere Lipide auch direkt an Kunden verkaufen, welche ihre Studien dann selbständig und hausintern durchführen.

Unser großes Ziel ist es, bis 2025/2026 so viele Kunden zu haben, dass unsere aktuellen Produktionsstätten nicht mehr ausreichen und wir eine eigene Produktionsanlage aufbauen können.

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