FusariumPrevent – Gesamtsieger S&B Award 2020

Natur statt Fungizide: wie biologische Pflanzenhilfsmittel die Landwirtschaft aufblühen lassen

©Offscope Media/Nourivit Technologies

 

Pilzkrankheiten verursachen in der Landwirtschaft enorme Ertragseinbußen und Qualitätsverluste. Das Erntegut ist zudem mit gesundheitsschädlichen Pilzgiften verseucht, was zu Folgeschäden in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie führt. Im Normalfall werden Fungizide zur Bekämpfung dieser Pilzkrankheiten eingesetzt, die Nebenwirkungen für Anwender und Natur haben. FusariumPrevent hat eine biologische Alternative entwickelt, die Pflanzen präventiv gegen Pilzkrankheiten stärkt. Sie hinterlassen keine toxikologisch relevanten Rückstände auf der Pflanze und haben das Zeug dazu, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel deutlich zu reduzieren.

 

Rudolf Sallinger Fonds: Beim letzten S&B Award habt ihr euch den Gesamtsieg geholt. Wie hat sich FusariumPrevent mit seinen zwei Produkten „Valibiotics forte“ und „Valibiotics Ca liquid“ seither weiterentwickelt?

Eva & Wolfgang Harreither: Seit dem S&B Award 2020 wurden die beiden Produkte zugelassen und sind mittlerweile erfolgreich in den Markt eingeführt. Mit der BOKU Wien haben wir außerdem einen Lizenzvertrag abgeschlossen und damit die Technologie zu uns ins Unternehmen geholt.

In den letzten beiden Jahren haben sich sehr gute Erfolge unserer Produkte im Ackerbau bei Weizen, Raps und Sonnenblumen, aber auch im Wein- und Obstbau gezeigt. Aktuell starten wir ein Projekt mit der TU Graz und der Erzeugergemeinschaft Obst Steiermark GmbH, in dem es um die Reduktion chemischer Spritzmittel unter Einsatz von Mikrobiologie geht.

Betrieblich haben wir uns seit dem S&B Award vergrößert. Wir sind im Herbst 2021 in den Gewerbepark Traiskirchen gezogen und haben einen geförderten Kredit von aws erhalten. Damit konnten wir ein großes Forschungs- und Entwicklungslabor finanzieren, das zukünftig das Herzstück unseres Unternehmens sein wird. Zusätzlich haben wir auch unsere Produktionsressourcen erweitert.

Zurzeit haben wir sieben Mitarbeiter, über Werksverträge sind zusätzlich fünf Personen vor allem im Vertrieb mit an Bord. Im Sommer möchten wir um eine weitere Person aufstocken.

 

Wir haben gehört, dass ihr noch weitere Erfolge mit euren Produkten gefeiert habt. Könnt ihr uns darüber ein bisschen mehr erzählen?

Kurz nach dem S&B Award haben wir unsere Idee auf Initiative und Hilfe der UNIDO bei einem ADA Projekt für eine Wirtschaftspartnerschaft im Kamerun eingereicht, bei dem ein Joint Venture mit einem Unternehmen vor Ort gebildet wurde. Im letzten Jahr haben wir uns ein Bild von der Landwirtschaft vor Ort gemacht, um herauszufinden, wie wir den Landwirten vor Ort am besten helfen können. Kurz danach sind erste Container mit unseren Produkten in den Kamerun geschickt worden.

Zusätzlich haben wir bei der Africa Innovation Challenge der WKÖ (Advantage Austria) mitgemacht und den 3. Platz belegt, außerdem sind wir im letzten Herbst an der BOKU zum Start Up des Jahres gekürt worden. Das macht uns natürlich sehr stolz und zeigt, dass wir mit unserem Projekt und unseren Produkten auf dem richtigen Weg sind. 

Im vergangenen Jahr haben wir außerdem eine Crowdfundingkampagne mit Green Rocket gestartet, die sehr gut gelaufen ist. Die Kampagne war auf vier Wochen angelegt, unser Ziel von 600.000 Euro für den Kauf von Produktionsanlagen haben wir innerhalb von 30 Stunden erreicht.

Infos zur Kampagne gibt’s hier: https://www.greenrocket.com/nourivit

 

Wie haben sich Produktlinie und Vertriebsnetz weiterentwickelt?

Die Produktlinie Valibiotics entwickelt sich sehr gut. Sie wird eigesetzt, um chemische Mittel insbesondere im Ackerbau und im Weinbau zu reduzieren – kurz gesagt überall da, wo intensiv mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird und reduziert werden kann.

In Österreich arbeiten wir teilweise im Direktvertrieb, teilweise aber auch mit Händlern. Unsere Händler erweitern mit unseren Produkten beispielsweise auch ihr eigenes Portfolio als Ergänzung zu chemischen Mitteln.

In Polen haben wir beispielsweise einen Händler, dessen Kundenstock ca. ¼ der polnischen Agrarfläche bewirtschaftet. Das sorgt für einen schönen Umsatz, es ist aber noch immer viel Luft nach oben.

Heuer ist Bayern dazugekommen, Ungarn steht für 2022 auch noch auf der Liste. Auch Turkmenistan ist ein wichtiges Land für uns, das sich sehr gut entwickelt.

 

Wie bekommt ihr die Ukraine-Krise (unternehmerisch) zu spüren?

Am Markt in der Ukraine sind wir selbst nicht tätig, spürbar ist die Ukraine-Krise natürlich trotzdem. Der Düngemittelmarkt ist seit Herbst 2021 stark unter Druck, die Preise sind deutlich gestiegen. Durch die Ukraine-Krise ist es zusätzlich zu einer massiven Verschärfung gekommen, die Preise haben sich zum Teil verfünf- bis siebenfacht, gewisse Produkte sind zum Teil überhaupt nicht mehr verfügbar. Dünger war vorm Krieg sehr günstig, jetzt ist er enorm teuer. Das Glück für die Landwirte ist, dass auch der Preis für ihre Güter gestiegen sind, so können sie den Preisanstieg der Düngemittel einigermaßen kompensieren.  

Wir selbst haben das Glück, dass wir nicht viele verschiedene Rohstoffe brauchen und auch nicht so stark von anderen Rohstoffen wie Gas abhängig sind. Für uns sind aber speziell bei Transportkosten und Verpackungsmaterial Preisänderungen zu spüren.

Insgesamt muss man sagen, dass die Ukraine ein wichtiges Agrarland ist, das wir mit unseren Möglichkeiten unterstützen wollten. In den letzten Wochen haben wir deshalb gemeinsam mit der Stadt Traiskirchen und der Volkshilfe eine Hilfslieferung im Warenwert von rund 25.000 Euro in die Ukraine organisiert. Ein LKW mit 18 Tonnen an Düngemitteln für die Zeit des Anbaus und der Wachstumsphase (die jetzt beginnen) ist in die Ukraine geliefert worden, damit können rund 1.000ha Land bewirtschaftet werden

 

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf euer Unternehmen, eure Produkte und den Markt?

Die Landwirtschaft war insgesamt nicht so stark von Corona betroffen, bei Winzern haben wir die Corona-Pandemie allerdings ein wenig gespürt – sie haben zum Teil weniger eingekauft. Die Pandemie hatte für die Landwirtschaft aber auch positive Effekte, indem Regionalität und hochwertigere Lebensmittel gepusht worden sind. 

Der Corona-Schock war 2020 für uns sicherlich am größten, weil die Saison 2020 nicht so gelaufen ist, wie gewünscht. Danach haben wir unternehmerisch nicht mehr allzu viel von der Corona-Krise gespürt. Wir konnten zwar lange nicht reisen, was speziell für unser Kanada- und USA-Geschäft anfangs schwierig war und geplante Wachstumsschritte verzögert hat. Mittlerweile hat sich aber auch das wieder eingependelt.

Seit März 2020 ist die Seefracht extrem teuer, es gibt sehr lange Wartezeiten – und das wird auch noch eine Zeit lang so bleiben.

Was uns aber definitiv gut in die Karten spielt ist der trotz Corona unveränderte Green Deal der EU. In ihm sind die Reduktion chemischer Betriebsmittel und der effiziente Einsatz von Düngemitteln vorgeschrieben, die Landwirte sind daher ohnehin gefordert, sich und ihre Landwirtschaft zu einem guten Teil umzustellen.

 

Welche Pläne habt ihr für 2022/2023? Welche unternehmerischen Ziele habt ihr euch gesetzt?

In den nächsten Monaten möchten wir weiter in unseren Kernmärkten wachsen. Darüber hinaus haben wir in Ungarn eine Produktregistrierung fast abgeschlossen und wollen im Frühjahr eine weitere Produktionsanlage in Rumänien installieren.

Valibiotics Forte ist derzeit als Pflanzenstärkungsmittel registriert. Unser großes Ziel ist es, gemeinsam mit einer Schweizer Partnerunternehmen der Valibiotics AG in Richtung Pflanzenschutzmittelzulassung zu gehen. Die Daten zeigen, dass das sehr gut funktionieren wird. 

Neben bestehenden Produkten haben wir außerdem ein fast fertiges neues Produkt für die Saatgutbehandlung, als nächstes möchten wir spezifische Produkte für die Nährstoffmobilisierung im Boden herstellen. Es bleibt also spannend.

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